Warning: count(): Parameter must be an array or an object that implements Countable in /var/www/itedasmagazin/public_html/www/Db.php on line 928

Warning: count(): Parameter must be an array or an object that implements Countable in /var/www/itedasmagazin/public_html/www/Db.php on line 943

Warning: count(): Parameter must be an array or an object that implements Countable in /var/www/itedasmagazin/public_html/www/Db.php on line 928
frères en marche
ite/frères en marche
 

Auch nach 2300 Jahren Zusammenleben kein Frieden   

Sri Lanka schaut auf eine bald 2300-jährige Geschichte zurück. In Erinnerung bleibt unserer Zeit insbesondere der schreckliche Bürgerkrieg von 1983 – 2009, dessen Wunden nur langsam vernarben.

Quiriliges Grossstadtleben in Colombo | © © Bruno Ulrich

Einwanderer aus Südindien und Migranten aus Nordindien besiedelten beide um 250 v. Chr. die 65’000 m2 grosse Insel und errichteten in der Folge konkurrierende und sich bekämpfende Fürstentümer und Königreiche. Hinzu kamen im 10. Jahrhundert n. Chr. muslimische Händler, die an den Küsten siedelten. Im 16. Jahrhundert dann wurde Sri Lanka zum Spielball verschiedener Kolonialmächte; nacheinander herrschten jeweils rund 150 Jahre lang die Portugiesen (1505-1658), die Holländer (1658-1796) sowie die Briten (1796-1948) über die Insel.

Am meisten haben die Briten dem Land den Stempel aufgedrückt: Sie bauten das Strassen- und Eisenbahnnetz, importierten ihr politisches System und prägten die Insel wirtschaftlich. Sie bauten die typische britische Plantagenwirtschaft auf, anfänglich vorwiegend Kokosnüsse und Kaffee. Als 1869 eine Blattkrankheit die Kaffeesträucher vernichtete, wurden die Plantagen innerhalb von nur 10 Jahren auf Tee umgestellt und bis 1890 wurde Sri Lanka zum grössten Tee-Exporteur weltweit, In diese Zeit zurück geht auch die massive Einwanderung von südindischen Tamilen, die die Briten auf den Teeplantagen als Pflücker und in der Tee-Verarbeitung einsetzten (siehe auch Beitrag S…).

Wachsendes Nationalbewusstsein

Mitte des 19. Jahrhunderts gab es die erste singalesisch-buddhistische Erneuerungswelle gegenüber den offensiv agierenden christlichen Missionaren. Dem folgte anfangs 20. Jahrhunderts ein wachsendes Nationalbewusstsein, das sich in einer steigenden Zahl von Organisationen und Bewegungen widerspiegelte, wie etwa dem «Ceylon National Congress» (1919) oder dem «Rat der Tamilen» (1921). Es zeigte sich aber schon damals, dass die Ethnien (Singalesen, Tamilen, Moors) zutiefst gespalten waren und oft nur durch den Kampf gegen den gemeinsamen kolonialen Gegner zusammengehalten wurden. Aufgrund des Drucks waren die Briten zu immer mehr Konzessionen bereit. Doch erst nach dem Zweiten Weltkrieg (1948) wurde Sri Lanka schliesslich ein souveräner Staat.

Jetzt wuchs die Wirtschaft kräftig, aber gleichzeitig nahm auch der singalesisch-buddhistische Nationalismus zu. Immer lauter wurde die Forderung nach Singalesisch als Nationalsprache. Als erster Vertreter der «Sinhala only»-Politik gilt Premierminister S.W.R.D. Bandaranaike, der 1956 an die Macht kam. Es folgten Unruhen und Ausschreitungen gegen Tamilen.

Nach der Ermordung von S.W.R.D Bandaranaike durch einen fanatischen Mönch kam 1960 seine Witwe Sirimavo an die Macht und machte aus Sri Lanka in den nächsten 15 Jahren durch zahlreiche Verstaatlichungen eine «demokratisch sozialistische Republik». Als sich Anfang der 70er-Jahre die wirtschaftliche Situation des Landes rapide verschlechterte, versuchte Bandaranaike mit nationalistischen Massnahmen Sympathien bei den Singalesen zurückzugewinnen. Die neue Verfassung gab dem Buddhismus Vorrangstellung, eine neue Aufnahmeverordung für Universitäten benachteiligte Tamilen weiter (bis heute übrigens, wie verschiedene Tamilen im Gespräch mit mir betonten). Das löste erneut Unruhen aus und 1976 erstmal die Forderung nach einem eigenen tamilischen Staat «Tamil Eelam».

Im gleichen Jahr gründete der 21-jährige Velupillai Prabhakaran die militante Rebellengruppe «Liberation Tigers of Tamil Eelam» (LTTE), die mit dem Anschlag auf einen Militärposten am 24. Juli 1983, der 13 Tote forderte, den eigentlichen Bürgerkrieg auslöste. Es fehlt hier der Platz, um diesen schrecklichen Krieg in all seinen Facetten zu beschreiben. 2009 ging er mit einem schrecklichen Blutzoll zu Ende: Zwischen 80’000 und 100’000 Todesopfer, 300'000 intern Vertriebene, 1.5 Mio Landminen, fast die Hälfte der tamilischen Bevölkerung flüchtete ins Ausland, ihr Anführer Velupillai Prabhakaran wurde am 18. Mai 2009 getötet, der Traum von einem eigenen tamilischen Staat war für immer ausgeträumt.

Eine langsam keimende Politik der Aussöhnung

2010 konnte der nationalistische Präsident Mahinda Rajapaksa im Soge der Nachkriegseuphorie zum zweiten Mal die Wahlen gewinnen. Er regierte mit diktatorischer Macht, baute unsinnige Grossprojekte wie etwa den Rajapaksa-Airport, unterhöhlte das Rechtssystem und forcierte die Vetternwirtschaft. Erst unter seinem Nachfolger Maithripala Sirisena setzte eine langsame Versöhnungspolitik ein, zum Beispiel mit der Gründung einer Arbeitsgruppe für nationale Aussöhnung. Beat Baumgartner   


documents